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Metallurgie in der Gesellschaft?

Kaum ein anderer Industriezweig wird so oft totgesagt wie die Metallurgie. Aber werfen wir mal einen Blick in die Geschichtsbücher. 
Was wäre die Menschheit ohne Metallurgie? 
Bereits 8000 v. Chr. begannen die Menschen erstmalig Metalle zu verarbeiten. 
Über die 4000 Jahre später einsetzende Kupferzeit, die Bronzezeit (ca. ab 1700 v. Chr.) bis hin zum beginnenden Eisenzeitalter um 800 v. Chr. war die Entwicklung der Menschheit immer mit Metallen verbunden. Mit dem Aufkommen der ersten Hochöfen im 13. Jahrhundert lässt sich eine direkte Linie der Verfahren und Methoden der Montanindustrie bis hin zur industriellen Revolution ziehen. Die Möglichkeit, Wasserdampf technisch zu nutzen, führte zu einem nie da gewesenen Innovationsschub auf dem europäischen Kontinent und dem Rest der Welt. Leider gingen damit auch menschliche Verelendung und die Entwicklung des so genannten „Manchester-Kapitalismus“ einher. 
Immer wieder war es die Metallurgie, die bei dem Streben der Menschen und Staaten nach wirtschaftlichem Erfolg, Einfluss und Macht eine wichtige Rolle spielte. Dieses Streben stellte eine Ursache für verschiedene bewaffnete Konflikte in Europa dar. Der deutsch-französische Krieg 1870/71, der erste Weltkrieg 1914-1918 oder der zweite Weltkrieg 1939-1945 sind hierfür Beispiele. 
Aber auch die goldenen Zwanziger Jahre zwischen den beiden großen Kriegen des 20. Jahrhunderts verdanken ihre Existenz der Metallurgie. Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs und Friedens waren und sind auch immer an den Aufschwung der Grundstoffindustrie gekoppelt gewesen. Viele wissen nicht, dass eben genau Kohle und Stahl es waren, die Frankreich und Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg einander näher brachten. Nie wieder sollte eine wirtschaftliche Dominanz eines der beiden Länder Potential für einen Konflikt beinhalten. So kam es nach Gründung der Montanunion zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) im Jahre 1951 durch Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Hieraus entwickelten sich später die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und letztendlich die Europäische Union in ihrer jetzigen Form. Seit 60 Jahren erleben wir eine Zeit des Friedens und des Wohlstands in Westeuropa – einmalig in der langen Geschichte dieses Kontinents. 
Metallurgie wird auch heute leider oft von vielen noch mit den Augen der Vergangenheit gesehen. Ja, die Metallurgie war eine durch Lärm, Schmutz und Umweltbelastung gezeichnete Industrie. Aber genauso wie sich der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema Umweltschutz und Lebensqualität änderte, änderte sich auch die Metallurgie. 
Viele Innovationen und Investitionen in Umweltschutz sorgen heute dafür, dass Hüttenwerke von heute – im Verhältnis zu den hergestellten Mengen ihrer Produkte – zu einer sauberen Sache geworden sind. Oft wird vergessen, dass Metallurgie die Triebkraft für Innovation ist. Denn was wäre also die industrielle Revolution ohne die Dampfmaschine und ohne Stahl gewesen? Was sind Computer oder Handy ohne Kupfer? Die Solarzelle ohne Silizium? Innovationen waren, sind und werden auch immer werkstoffbedingt sein.